MDR 1-Defekt beim Hund – was ist das ?

Ist mein Tier betroffen ?

 

MDR 1 ist ein Transporter, welcher im Organismus an der Verteilung und Ausscheidung von vielen Arzneistoffen beteiligt ist. So wird ein Stoff (z.B. Ivermectin® – Entwurmungsmittel), der die Blut-Gehirn-Schranke passieren will, erkannt und in das Blut zurücktransportiert. So schützt dieser Transporter (MDR 1) das Gehirn vor der Überschwemmung mit diesem potenziell schädlichen Arzneistoff.

MDR 1 ist im Körper weit verbreitet: im Darm, in den Nieren, in der Leber und im blutbildenden System. Es stellt entweder eine Aufnahmebarriere dar, fördert die Ausscheidung von Substanzen oder schützt die Blutzellen vor Zytostatika (Zellgiften).

Hunde, die diesen MDR 1-Transporter genetisch nicht besitzen (sog. MDR1-/-), sind daher von einer Vielzahl von Arzneimittelüberempfindlichkeiten betroffen.

 

Rassen mit einem MDR1(-)-Defekt in %:

Collie, Kurzhaar 68%
Collie, Langhaar 55-57%
Longhaired Whippet 42-65%
Australian Shepherd 20-50%
Shetland Sheepdog 7-35%
Silken Windhound 18-30%
McNab 17-30%
Wäller 19%
Weißer Schäferhund 14%
Old English Sheepdog 1-11%
English Shepherd 7-15%
Deutscher Schäferhund 6-10%
Border Collie 10%
Hütehund-Mischlinge 6-7%

 

Und natürlich können auch Mischlinge betroffen sein, bei denen ein Elterntier Träger dieses Defektes ist.

Australian Shepherd

Welche Arzneistoffe können gefährlich werden?

Beispielsweise die Anwendung von makrozyklischen Laktonen (Ivermectin®, Doramectin®, Selamectin®, Oxidectin®, Milbemycinoxim® - Therapie gegen Parasiten) ist beim Hund mit MDR 1-Defekt nicht sinnvoll. Sie führen zu lebensbedrohlichen Vergiftungen. Anzeichen sind Pupillenerweiterung, Sehverlust, Schwindel und Krämpfe. Dann fallen die Hunde ins Koma und müssen intensivmedizinisch behandelt werden.

Daraus folgt, dass bei Hunden, die auf Grund einer parasitär bedingten Hauterkrankung (z.B. Demodikose  Hautmilben) mit Laktonen hochdosiert behandelt werden müssen, eine MDR 1-Untersuchung absolut sinnvoll ist.

 

Weiterhin sind Hunde mit MDR 1-Defekt von Pferden fernzuhalten, die mit makrozyklischen Laktonen entwurmt worden sind (Animec®, Equimax®, Eraquell®, Hippomectin®, Vectin® oder Equest®). Hunde können über den Kot der Pferde diese Stoffe aufnehmen.

 

Folgende Präparate sind bei korrekter Anwendung auch bei MDR 1(-/-)-Hunden sicher anzuwenden: Stronghold®, Milbemax®, Advocate®, Program plus®, Profender®.

 

Loperamid (Immodium®) wird gegen Durchfall beim Hund auch häufig ohne tierärztliche Konsultation vom Besitzer eingesetzt. Bei MDR 1(-/-)-Hunden löst Immodium® ein schweres und komplexes Vergiftungsgeschehen aus, welches schwer zu behandeln ist.

 

Zytostatika (Vincristin, Doxorubicin, Vinblastin, Paclitaxel, Mitoxantron, Dactinomycin) sind bei der Krebstherapie beim Hund mit MDR 1-Defekt z.T. hochgiftig.

 

Bei MDR 1(-/-)-defekten Hunden sind folgende Arzneimittel sehr vorsichtig einzusetzen:

  • Immunsuppressiva (Abwehrsystem des Körpers wird heruntergeregelt):

    Cyclosporin A, Tacrolimus

  • Opioide (Schmerz- und Narkosemittel): Morphin, Methadon, Fentanyl, Butorphanol

  • Herz-/Kreislaufmedikamente: Digoxin, Methyldigoxin, Verapamil, Diltiazem, Chinidin, Talinolol, Acepromazin

  • Antiemetika (gegen Übelkeit und Erbrechen): Ondansetron, Domperidon

  • Ulkustherapie (Magenschleimhautschutz): Cimeditin, Ranitidin

  • Antimykotika (Pilzmittel): Itraconazol, Ketoconazol

  • Antibiotika: Rifampicin, Erythromycin, Levofloxacin

 

Wie stelle ich nun fest, ob mein Hund diesen Defekt hat, und was kostet die Untersuchung?

Für den genetischen Test auf Vorliegen einer nt230(del4) MDR 1-Mutation benötigt das Labor etwas Blut von Ihrem Hund.

Die Kosten für die Laboruntersuchung belaufen sich zurzeit auf 59,- Euro (zzgl. 19% MwSt), des Weiteren Blutentnahmekosten, Aufarbeitung und Laborversand.

 

Folgende Ergebnisse kann der Test ergeben:

MDR1+/+: Es liegt kein MDR1-Defekt vor. Es besteht keine Gefahr bei der Anwendung von bestimmten Arzneistoffen. Ihr Hund würde den Defekt nicht weitervererben.

MDR1+/-: Ihr Hund ist Träger des MDR1-Defektes. Bei der Anwendung von Zytostatika und makrozyklischen Laktonen (hochdosiert) kommt es zur Zunahme von Nebenwirkungen. Ihr Hund vererbt den Defekt weiter.

MDR1-/-: Totaler MDR 1-Defekt. Totalausfall des MDR1-Transporters; es besteht eine Vielzahl von Arzneistoff-Überempfindlichkeiten (s. oben); es kommt zu gravierenden Vergiftungen z.T. mit Todesfolge.

Sollten Sie einen Hund dieser betroffenen Rassen besitzen oder einen Mischling, bei dem ein Elterntier einer der oben aufgeführten Rassen angehört, so ist eine Untersuchung auf den Defekt sicherlich sinnvoll, um bei Ihrem Liebling eine sichere Arzneimitteltherapie durchführen zu können.

 

Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, rufen sie uns gerne an – wir beraten Sie und Ihren Hund gerne.